Alltag

Pasta, Weizenbrötchen, Pizzateig: In Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen oder Gerste ist das Klebeeiweiß Gluten enthalten und damit auch in den meisten herkömmlichen Back- und Teigwaren. Zudem versteckt sich das Klebereiweiß in vielen Fertiggerichten, Saucen und Süßigkeiten. Zöliakiebetroffene, bei denen Gluten Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Müdigkeit verursacht, müssen auf diese Lebensmittel strikt verzichten. Damit die Ernährungsumstellung auf gesunde Weise gelingt und der Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird, sollten sie vornehmlich auf natürlich glutenfreie Lebensmittel wie z.B. Hirse, Quinoa, Amaranth, Kartoffeln und Reis, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst zurückzugreifen.

Frisch statt fertig

Glutenfreie Fertiggerichte enthalten oft mehr Zucker, Fett und Kalorien als ihre herkömmlichen Pendants, um die durch das fehlende Klebereiweiß verursachte trockene Konsistenz auszugleichen. „Sie verfügen zudem oft über einen geringeren Anteil an sättigenden Ballaststoffen, wodurch mehr davon gegessen wird “, erklärt Bianca Maurer, Ernährungsmanagerin Diätetik bei der DZG. „Es ist daher gar nicht so selten, dass Zöliakiebetroffene bei der Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung zunehmen.“

Mindestens fünfmal am Tag sollten Gemüse und Obst auf dem Speiseplan stehen. „Brokkoli, Paprika, Karotten, Bananen und unverarbeitete Nusssorten sind von Natur aus glutenfrei und enthalten wertvolle Vitamine, Mineralstoffe sowie viele Ballaststoffe“, empfiehlt Maurer. Gut geeignet bei Glutenunverträglichkeit sind außerdem fettarme Milchprodukte. Regelmäßig verzehrt, sorgen sie für eine ausreichende Versorgung mit Calcium. Viele Zöliakiebetroffene leiden bedingt durch frühere Schädigungen an der Darmschleimhaut unter Eisenmangel. Um diesen langsam aber sicher wieder auszugleichen, genügt es zwei- bis dreimal die Woche Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Wurst zu verzehren. Wer hierauf wenig Appetit hat, kann auf pflanzliches Eisen aus Hirse, Hülsenfrüchten, grünem Blattgemüse oder Kernen in Kombination mit Vitamin-C-haltigem Gemüse oder Obst zur besseren Aufnahme durch den Körper zurückgreifen. „Auch mit Glutenunverträglichkeit kann man sich ausgewogen und lecker ernähren“, so Maurer. „Zu Beginn der Ernährungsumstellung ist jedoch der Besuch bei einer Ernährungsberatung empfehlenswert. Hier erfahren Betroffene, welche Lebensmittel besonders gut für sie geeignet sind und wie diese gesund zubereitet werden können.“

Vegetarisch genießen

Viele Vegetarier kochen gerne mit Fleischersatzprodukten. Doch nicht alle sind gleichermaßen für eine glutenfreie Ernährung geeignet. So besteht Seitan, das aufgrund seiner Konsistenz stark an Fleisch erinnert, aus Weizeneiweiß und ist dementsprechend glutenhaltig. Gut geeignet für Zöliakiebetroffene ist hingegen Tofu. Das aus Sojabohnen gepresste Produkt enthält in unverarbeiteter Form kein Gluten und dient zudem als Eiweiß-, Eisen- und Calciumlieferant. Der Geschmack von Tofu ist neutral, bietet jedoch zahlreiche Möglichkeiten zur Zubereitung und Würzung. Auch aus texturiertem Soja hergestelltes Sojafleisch, das vor allem als Hackfleischersatz z.B. in Bolognese verwendet wird, sowie Tempeh aus gekochten Sojabohnen und Lupine sind ohne weitere Zusätze für eine glutenfreie Ernährung geeignet. Allerdings enthalten viele fertig zu kaufende Fleischersatzprodukte auf Sojabasis, wie pflanzliche Schnitzel, Filets oder Burger, Zusatzstoffe, Würzmittel, Aromen und damit oftmals auch Gluten. „Zöliakiebetroffene sollten hier besonders auf die Zutatenliste achten“, so Maurer. „Wer sich jedoch abwechslungsreich ernährt und wichtige Eiweiß- und Eisenlieferanten in den Speiseplan integriert, kann trotz Zöliakie problemlos vegetarisch leben.“

Medikamente

Auch in Medikamenten und Pflegeprodukten werden glutenhaltige Inhaltsstoffe eingesetzt. Für den Verbraucher ist nicht immer auf einen Blick erkennbar, welche Produkte Gluten enthalten und welche nicht.

Für Arzneimittel in Form von Tabletten, Pulvern oder Dragees kann Gluten als stärkehaltige Grundlage verwendet werden. Doch auch Augen- und Nasentropfen können Gluten enthalten. Bei der Anwendung von Nasentropfen besteht die Möglichkeit, dass Gluten über den Rachen in den Magen-Darm-Trakt gelangt. Frau Dr. Baas von der DZG rät daher: „Betroffene sollten vor jeder Verschreibung von Medikamenten den Arzt auf die Erkrankung hinweisen und klären, ob das verschriebene Präparat glutenhaltig sein könnte.“

Die DZG weist zudem darauf hin, dass Betroffene darauf achten sollten, dass auf dem Rezept das Feld „nec-aut-idem“ angekreuzt wird. So wird sichergestellt, dass der Betroffene in der Apotheke exakt das verschriebene Medikament erhält und kein wirkungsgleiches Mittel, das möglicherweise Gluten enthalten könnte. Bei frei verkäuflichen Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt die DZG-Expertin Dr. Baas, den Apotheker über die Zöliakie zu informieren und sich zu geeigneten glutenfreien Produkten beraten zu lassen.

Kosmetik

Bei Produkten zur rein äußerlichen Anwendung wie Shampoos, Duschgels oder Körpercremes ist keine schädigende Wirkung für Zöliakiebetroffene bekannt. Bei Kosmetik- und Hygieneartikeln, die im Gesicht oder Mund angewendet werden, ist auch für Erwachsene Vorsicht geboten. Inhaltsstoffe können leicht über den Mund in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Das gilt für Mundspülungen, Zahncremes und Lippenstifte, aber auch für Gesichtscremes, Makeup oder Artikel zur Gesichtsreinigung. Die DZG empfiehlt hier, ausschließlich glutenfreie Produkte zu verwenden. Dies gilt insbesondere für Patienten, die neben der Zöliakie auch an der Hauterkrankung Dermatitis Herpetiformis Duhring leiden.

Unterstützung und Hilfe bietet die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) mit einer Aufstellung glutenfreier Arzneimittel, Kosmetik-, Mund- und Zahnpflegeprodukte. Die Liste wird jährlich aktualisiert und steht Mitgliedern unter www.dzg-online.de und als APP kostenfrei zur Verfügung.


Quellen:
Themendienst Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. – Gesund und glutenfrei genießen
Themendienst Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. – Medikamente & Kosmetik


Reisen

Die schönste Zeit des Jahres ist für viele die Urlaubszeit. Für die meisten bedeutet das: Reiseziel auswählen, Koffer packen und raus aus dem Alltag. Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit wie Zöliakie fällt der Start nicht so leicht.

Reiseführer der DZG

Orientierung für unterwegs geben der Kur- und Ferienführer „Sorglos Reisen“ und die Pocket-Guides der DZG. Darin sind zahlreiche Restaurants, Supermärkte, Bäckereien und Drogerien mit glutenfreien Angeboten aufgeführt. Darüber hinaus enthalten die Broschüren Empfehlungen für geeignete Speisen und Getränke auf Reisen und im Hotel. Die Pocket-Guides gibt es für viele deutsche Städte und Regionen von Hamburg bis München und von Köln bis Leipzig. Auf der DZG-Internetseite www.dzg-online.de können Mitglieder diese herunterladen.

Auch für den Restaurantbesuch können sich Zöliakiebetroffene wappnen. Die DZG stellt für 120 Länder die Infokarte „Bitte an den Koch“ zur Verfügung. Darauf wird der Koch darüber informiert, welche Lebensmittel und Zutaten Zöliakiebetroffene meiden müssen und worauf er bei der Zubereitung achten muss. Die Urlauber sollten die Karte vor der Bestellung dem Kellner übergeben, damit er sie in die Küche bringen kann.

Vor Urlaubsbeginn

Bei der Auswahl und Buchung sollte schon vorab mit der Unterkunft geklärt werden, ob vor Ort glutenfreie Speisen angeboten, zubereitet oder gekauft werden können. Geht es weiter weg, sollte schon bei der Flugbuchung glutenfreies Essen bestellt werden. Seit 2014 müssen glutenhaltige Inhaltsstoffe laut einer EU-Verordnung auch bei unverpackten Waren – zum Beispiel in Restaurants – kenntlich gemacht werden. Dies erleichtert die glutenfreie Ernährung innerhalb der EU.

Für die ersten Tage am Urlaubsort bietet eine große Sicherheit, zunächst eigene Lebensmittel mitzunehmen. Dabei sollten vor Auslandsreisen unbedingt vorab eventuelle Einfuhrverbote (z.B. von Frischwaren), Deklarationsbestimmungen und Mengenbegrenzungen abgeklärt werden. Auskünfte dazu erteilen Reisebüros. Um die Einfuhr glutenfreier Produkte außerhalb Europas zu erleichtern, sollte ein ärztliches Attest vorgezeigt werden können.

Informationen im WWW

Interessante Informationen finden Sie auf den nachfolgenden Internetseiten:


Quelle: Themendienst Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. – Urlaub